1150 Multi-Kulti Bezirk

Aufgrund seiner guten Lage, Anbindung und der Nähe zu Innenstadt ist der 15. Bezirk bei seinen Bewohnern sehr beliebt. Statistisch gesehen gilt dieser Bezirk als der Ärmste, wo der Anteil der Migranten bis zu 40 Prozent beträgt, was im Vergleich zu anderen Stadtteilen hoch erscheint. Es ist daher kein Wunder, dass es einen anderen Namen gibt, nämlich Multi-Kulti Bezirk, in dem sich neben Ex-Yu Bewohnern und türkischen Stämmige auch noch andere Ethnien niedergelassen haben. Auf den Straßen dieses Bezirkes kann man daher die besonderen Spracheformen, die eine Mischung aus Muttersprache und Deutsch ist, mit ihrem spezifischen Akzent oft hören.

Aber es ist nicht nur die Sprache, die die Ausländer mitgebracht haben. Auch spezifische Kultur, Musik und traditionelle Gerichte, die wichtiger Bestandteil des Lebens aller Menschen sind, findet man hier zahlreich. Die Menschen versuchen so, sich zu integrieren, aber auch, ihre Wurzeln zu bewahren. An jedem Eck befinden sich türkische und indische Supermärkte, Kebap und Baklavastände, Handygeschäfte aber auch balkanische Clubs und Cafés. Während verschiedener Feiertage werden auf den Straßen dieses Viertels sowohl türkische als auch indische Festivals organisiert. Weite Zelte, gesperrte Straßen, orientalische Musik, manchmal sogar Trachten und unverzichtbare hausgemachte Speisen. An solchen Tagen sieht der 15.Bezirk mehr wie eine Stadt in der Stadt aus. 

Sportereignisse hier sind jedes Mal ein Spektakel, die besonders emotional von hier aus verfolgt werden und nach dem Sieg noch mehr gefeiert werden. Dafür berüchtigt sind sicher die Menschen aus Ex-Jugoslawien. Egal ob Serben, Kroaten oder Bosniaken spielen, ob es um Fußball, Basketball oder Wasserball, Weltmeisterschaften oder Europameisterschaften geht. Es ist kaum zu übersehen, dass besonders diese 3 Nationen in den Cafés in der Märzstraße verweilen und mitfiebern, und nach Abpfiff auf der Straße trällernd und hupend durch die Gassen ziehen. Die Menschen sind von Kopf bis Fuß in den Farben ihrer Landesflaggen gehüllt, auch Autos werden dekoriert, und im Grätzel erhallen Hymnen und Volksliedern. Meistens feuern sich die Anhänger der Ex-Yu Nationen gegenseitig an, immerhin war mal man eine große balkanische Republik. Es wird jedoch ungemütlich und harmonisch, wenn die Abkömmling Staaten gegeneinander in den Wettbewerb treten. Das Wort Wettkampf bekommt dann eine neue Bedeutung. Die unterlegene Mannschaft ist beleidigt, die Fans sind aufgeregt, und fangen vielleicht Randale an, wenn die Niederlage besonders schmerzhaft war. Aus diesem Grund sind für Polizeibeamte die ersten Assoziationen mit dem 15.Bezirk häufig die Einsätze, die genau mit solchen Ereignissen verbunden sind.

Was jüngeren Leute, sowohl die mit migrantischen Wurzeln als auch die gebürtigen Österreicherinnen, mit diesem Bezirk verbindet, ist der berühmte österreichische Rapper Raf Camora. Raf, der aus einem gemischten Elternhaus stammt (Vater – Schweizer, Mutter – Italienerin) wuchs auf den Straßen dieses Bezirks auf, mit vielen Freunden verschiedener Religionen, Nationen und Hautfarben. Obwohl er derzeit in Berlin lebt und arbeitet, spricht er in seinen Liedern sehr oft mit Emotionen und Stolz über Wien, Rudolfsheim-Fünfhaus und über die Menschen aus dieser Stadt. So beschreibt er in einem seiner Hits ausführlich den Lebensstil in diesem Distrikt, aber auch das Mädchen, das sein Herz gewonnen hat. So genannte Balkan-Chica aus Fünfhaus, egal ob „in Highheels oder Sneakers, sie spielt in ’ner andere Liga“, wie es in dem Lied heißt. Raf Camora ist sicherlich ein Aushängeschild für den 15. Bezirk und für alle, die seine Musik hören und lieben.

Aber was versteckt sich noch im Fünfhaus zwischen Kebap-Ständen, Friseursalon, schnellen Autos, schallende Musik und Balkan-Clubs? Welche Kennzeichen sind spezifisch für den 15. Bezirk?

Auf der Schmelz

Als größte Grünfläche in dieser Region, ist die Schmelz einer der beliebtesten Orte, beheimatet die Sport Universität und läd Kinder und Erwachsene zum Verweilen und Bewegen ein. Besonders wenn Fliedersträuche, Kirschen- und Magnolienbäume sich von ihrer schönsten Seite zeigen und betörenden Duft verbreiten. 

Auch das größte Veranstaltungszentrum Österreichs, die Wiener Stadthalle, kommt einem sicher in den Sinn, wenn man an Symbole des 15. Bezirks denkt. Neben den großen Weltstars, wie Kings of Leon, Justin Bieber und anderen, die hier ihre Stücke zum Besten geben, ist diese Halle auch bekannt außerhalb der Stadtgrenzen, zum Beispiel wegen der Abhaltung des Eurovision Song Contests.

Verkehrstechnisch ist der Westbahnhof als zweitgrößter Bahnhof Wiens auch ein wichtiger Punkt auf der Liste. Diese Station ist oft verschrien als Umschlagplatz für Trunkenbolde und Menschen mit einem Hang zum Drogenkonsum. Außerdem wird niemand die chaotischen Fernsehbilder von 2015 vergessen, als hier Zigtausende Asylsuchende angekommen und auch zum Großteil weiter nach Deutschland aufgebrochen sind. Es muss jedoch gesagt werden, dass die negativen Geschichten und der Klatsch über den Westbahnhof immer weniger hergeben, und dass das Sicherheitsgefühl besser geworden ist. Der 15.Bezirk vernetzt sich an diesem Ort jedenfalls mit dem Rest der Stadt und ist dadurch auch ein Dreh- und Angelpunkt.

Westbahnhof

Was verbinden Sie mit dem 15.Bezirk? Was ist für Sie die erste Assoziation zu diesem Teil von Wien?

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