Ein Loblied an mein Simmering

 „Du wohnst in Simmering?!“, sagte sie mit abwertender Stimme. „Da fährst du ja ewig! „Da wohnen doch nur Proleten!“ „Wohl eher Schlimmering!“ Das sind nur einige Beispiele, die ich in regelmäßigen Abständen zu hören bekomme. In vielen Fällen gehe ich nicht näher auf die Unterhaltung ein und versuche mich nicht dafür zu rechtfertigen, wo ich wohne. Doch immer öfter verspüre ich das Gefühl mein Simmering zu verteidigen. Ja, ich wohne in Simmering und stellt euch vor – das sogar ziemlich gern. Mittlerweile wohne ich seit fünf Jahren im 11. Wiener Gemeindebezirk. Simmering hat sowohl seine Vor- als auch seine Nachteile. Doch hat das nicht jeder Bezirk?

In diesem Blogbeitrag möchte ich euch ein wenig von Simmering und seinen Vorteilen erzählen und drei meiner Lieblingsplätze vorstellen.

Zentralfriedhof

Simmering ist ein Außenbezirk. Da meine Eltern im Burgenland wohnen und ich sie öfter besuche, muss ich mich nicht ewig durch die Stadt quälen um Wien verlassen zu können. Ich wohne nahe der U-Bahn Station Simmering, daher muss ich mir  nie Gedanken über einen Sitzplatz machen – dieser ist täglich nur für mich reserviert. Auch die Mietpreise sind hier in Simmering für StudentInnen wie mich leistbar. Der 11. Bezirk ist eine angenehme Abwechslung zu den anderen Touristen befüllten Bezirken. Aber nun genug von den Vorteilen, kommen wir nun zu meinen Hotspots.

„Es lebe der Zentralfriedhof, und olle seine Toten“. Ja genau, wir in Simmering haben den Zentralfriedhof. Es gibt für mich nichts schöneres, als an einem Herbsttag durch diesen geschichtsträchtigen Ort zu spazieren, vom Alltag abzuschalten und frische Luft zu schnappen. Falco, Udo Jürgens, Beethoven und Strauss – sie alle sind hier anzutreffen.

Wusstet ihr, dass Simmering auch einen Park besitzt? Hier handelt es sich um den 42.600 m² großen Herderpark. Der Park bietet neben einem Familienbad auch Sport- und Spielplätze. An einem warmen Nachmittag im Frühling setze ich mich am liebsten auf eine Parkbank, genieße ein Eis und lese gern ein Buch. Gegenüber von mir sitzen zwei Männer, die mit ihrem Schwechater Bier auf den Feierabend anstoßen.

Seit November 2018 lädt auch ein riesiger Flohmarkt zur Schatzsuche ein. Der Flohmarkt ist ganzjährig jeden Sonntag geöffnet. Mit ein wenig Geduld, lässt sich hier das ein oder andere Schnäppchen finden.

Simmering ist vielleicht kein hipper Trendbezirk, aber das stört mich nicht. Schließlich muss ich mich hier ja wohlfühlen und das tue ich.

Romana Raidl

1130 Hietzing, Beverly Hietzing

Hietzing, oder auch gerne das Beverly Hills Wiens genannt, ist wohl am besten für feine Villen und davor parkende Bonzenautos bekannt. Der 13. Bezirk ist das Reichenviertel schlechthin mit riesigen, alten Gebäuden und sich aneinanderreihenden Familienhäusern, wo eigentlich drei Familien reinpassen würden. Privatkindergärten gibt es en masse, genauso wie teure Einzelwarengeschäfte. Ein Paradies für Wohlhabende, oder die die es gerne sein würden.

Mehr oder weniger interessant ist auch, dass sich einige Botschaften und somit auch etliche Diplomaten in Hietzing angesiedelt haben, was dem allgemeinen Ruf nicht gerade entgegenwirkt.

Die Polnische Botschaft an der Hietzinger Hauptstraße, ein Sammelplatz für Diplomaten

Der 13. Bezirk ist jedoch nicht nur bekannt für reiche Familien, sondern auch für Pensionistenmassen.

„Bei meinem Wocheneinkauf vorgestern, fiel mir nach einigen Minuten im Geschäft erst auf, dass ich so ziemlich die einzige unter 60 dort war. Ich habe ja die Theorie, dass an der Straßenbahnlinie 10 nur die neuen, barrierefreien Bahnen verkehren, eben wegen den Pensionisten! “

berichtet Luzia, Studentin wohnhaft in Hietzing.

Das klingt nach einer logischen Theorie, geht man nach den allerseits, oben genannten Klischees, dass so gut wie nur Familien mit fancy Kinderwägen und Pensionisten den Bezirk bewohnen.
Wie kommt es aber eigentlich dazu, dass der 13. Bezirk  so bekannt ist für offensichtlich Wohlhabendere? Öffnet man seinen Tunnelblick an Klischees etwas, wird einem klar, dass nicht nur der Lainzer Tiergarten, der ein Entkommen aus der geschäftigen Stadt Wiens bietet, sondern dass auch das weltberühmte Schloss Schönbrunn in Hietzing residiert.
Somit lässt sich also daraus schließen, dass die Wiener wohl schon immer den Eindruck hatten, dass die Reichen und Schönen sich um das Schloss Schönbrunn, im 13. Bezirk, niederlassen.

Eines der beliebtesten Touristenziele in Wien, das weltbekannte Schloss Schönbrunn und der Schönbrunner Garten

Sieht man sich jedoch einmal im gesamten 13. Bezirk um, fällt auch eine andere, weniger charmante Seite auf. Entlang des Hietzinger Kais, der sich neben dem Wienfluss und der U-Bahnlinie 4 erstreckt, sind einige nicht so reizvolle Plattenbauten errichtet worden. Will man also von der U-Bahnstation ins Herz des schönen 13. Bezirks spazieren und steigt man nicht gerade direkt in Hietzing aus, sondern an einer der nachfolgenden Stationen, muss man gezwungenermaßen durch eine dieser nicht sehr prunkvollen Seitenstraßen gehen. Diese bieten nicht gerade einen Anblick auf Hietzinger Niveau.

Dennoch ist aus eigener Erfahrung und durch mehrere Quellen hervorgehend zu sagen, dass genau diese, im Vergleich zum Rest der Villen Hietzings, schäbigen Bauten eine regelrechte Fundgrube an leistbaren Wohngemeinschaften für Studenten sind. Manchmal muss man zwar den, besonders nachts, fast schon ohrenbetäubenden Lärm des vielbefahrenen Hietzinger Kais in Anspruch nehmen, jedoch sind die Mietpreise dies eindeutig wert. Und dank der U4 direkt neben der Haupteinfahrtsstraße West-Wiens hat man noch dazu die perfekten Anschlüsse in die Innenstadt.
Ein weiterer Tipp sind die nicht vorhandenen Parkgebühren im gesamten 13. Bezirk: Ein Pendlergenuss.
Nichts desto trotz überwiegen in Hietzing riesige Villen und beim Joggen hilft man schonmal ein oder drei Omis und Opis über die Straße.

1080 Wien Josefstadt

Wer die Josefstadt in Wien besucht trifft auf ein kleines Städtchen in der Stadt, mit vielen kleinen Gassen und Höfen.

Die Bezirksfläche der Josefstadt nimmt nicht einmal 0,3 % des Wiener Stadtgebietes ein, ist aber Heimat für fast 1,4 % aller Wienerinnen und Wiener.

Die Josefstadt gehört den Theaterliebhabern und Besserverdienern, die ein Teil dieser Atmosphäre sein wollen. In Cafés wie das Cafe Hummel, Cafe der Provinz oder zu später Stunde in der Weinstube Josephstadt treffen Künstler, Alternative, Träumer und Besserverdiener zusammen. Die Josephstadt ist bunt gemischt.


Mit welchen Klischees ist die Josefstadt behaftet?

Die Besserverdiener
Die Josefstadt ist einer der kleinsten Wiener Gemeindebezirke und liegt sehr zentral – dementsprechend begehrt ist der Wohnraum, den sich mittlerweile vor allem nur noch Besserverdiener leisten können.
Das monatliche Netto-Einkommen liegt über dem Wiener Durchschnitt.

Die Theater-Welt
Die Josefstadt ist ein kulturell stark bewanderter und belebter Bezirk. Theater und Kino haben hier Tradition und sind aus der Josefstadt nicht mehr wegzudenken. Insgesamt gibt es 9 Theaterhäuser in der kleinen Josefstadt.

Viel Kreativ-Szene wenig Grün
Die Josefstadt zieht aufgrund seiner Lage und den kleinen Geschäften und Cafés besonders Menschen aus den sogenannten Kreativ-Berufen an. Sie tummeln sich zum Arbeiten in einem der zahlreichen Lokale und lauschen Abends zu einem der vielen Wohnzimmerkonzerte oder besuchen Film- und Theatervorstellungen.

Viel Grün ist im 8. Wiener Gemeindebezirk nicht zu finden. Lediglich 1,8 %
des Bezirks, genau zwei Hektar, sind Grünland. Es gibt vier städtische Parkanlagen mit 150 Bäumen und 295 Parkbänken.

Kaffee-Haus-Kultur
Jeder Kaffeeliebhaber kommt in der Josefstadt voll auf seine Kosten.

Tradition trifft Moderne
Egal ob in der Kulturszene als auch der Gastronomie – in der Josefstadt findet man sowohl sehr traditionelle Institutionen wie das Café Hummel oder das Theater in der Josefstadt und gleichzeitig viele neue und innovative Geschäftslokale.

Theater in der Josefstadt

Ein Abstecher in den 19. Wiener Gemeindebezirk

Ein Abstecher in den 19. Wiener Gemeindebezirk

Nobel geht die Welt zu Grunde.

Wer sich im 19. Hieb eine Wohnung, ein Haus oder sogar die schicke Stadtvilla leisten kann, geht aber sicher nicht so schnell zu Grunde, denn wer im 19. Wiener Nobelbezirk wohnt gehört mit Sicherheit zu den oberen 10.000.

Von prickelnd bis ziemlich Oasch.

Oben Hui – unten Pfui, so lässt sich der 19. Wiener Gemeindebezirk wohl bevölkerungstechnisch ziemlich gut beschreiben. Leben im oberen Teil von Döbling doch die G`stopften in ihren schicken Stadtvillen, wo Mittags schon der Schampus aus der anliegenden Schlumberger Sektkellerei am Tisch steht, schauts bei den weiter unten im Karl Marx Hof angesiedelten, ziemlich oasch aus, denn die wissen nach einem anstrengenden 12-Stunden Tag immer noch nicht, ob`s heut Erdäpfel- oder Bohnensterz geben soll. Vermögenstechnisch läuft`s in diesem Bezirk wohl nicht ganz so ausgeglichen.

„An G`Spritztn bitte“

Wenn´s heißt „Nächster Halt, GRINZING“, dann steigt der Wiener gerne aus dem 38A, denn von Frühling bis Herbst heißt`s dort „Ausg`steckt is“. Feucht-fröhlich reiht sich ein Heuriger an den Anderen und zum nächsten G´Spritztn ist es nicht weit. Nach dem einen oder anderen Glaserl weiß man dann tatsächlich nicht mehr ob man schon am Land oder eh noch in der Stadt ist.  

„Oh mein Gott es is so haß“

Sudern, wenn nicht in Wien wo dann? Die Döblinger wissen aber, dass man nach einer langen Fahrt in der beliebten (Achtung! Sarkasmus) U6 auch bald in Wiens wohl bekanntesten öffentlichen Freibad ist. Nämlich im… na? Wer weißt es schon?… Richtig, im Krapfenwaldl, Wiens wohl berühmtesten Freibad seit es Georg gibt. Von dort aus hat man nicht nur eine weltbewegende Aussicht über die schönste Stadt, nein, man kann sich dort auch wunderbar gehen und treiben lassen. Und wer sich dort fix auch herumtreibt, eh klar, der Georg aus Wien (einer größeren Stadt an der Donau). Und auch wenn man sich in Döbling nicht wirklich um`s Geld sorgen machen muss – einen Bankomat gibt’s dort auch.

Der Berg ruft

Naja, na gut… rufen tut jetzt von den Hausbergen keiner wirklich und mit den Stöckelschuhen der Döblinger Dirnen wird eine Wanderei auch etwas schwierig, aber machen könnte man es schon. Ob Cobenzl, Kahlenberg oder Hermannskogel – hoch hinaus geht`s alle mal. Und bei den geführten Weinwandertagen durch die Wiener Weinberge kommt auch der G´Spritzte sicher nicht zu kurz. In diesem Sinne „Mei Hieb is net deppat“. 0000

1150 Multi-Kulti Bezirk

Aufgrund seiner guten Lage, Anbindung und der Nähe zu Innenstadt ist der 15. Bezirk bei seinen Bewohnern sehr beliebt. Statistisch gesehen gilt dieser Bezirk als der Ärmste, wo der Anteil der Migranten bis zu 40 Prozent beträgt, was im Vergleich zu anderen Stadtteilen hoch erscheint. Es ist daher kein Wunder, dass es einen anderen Namen gibt, nämlich Multi-Kulti Bezirk, in dem sich neben Ex-Yu Bewohnern und türkischen Stämmige auch noch andere Ethnien niedergelassen haben. Auf den Straßen dieses Bezirkes kann man daher die besonderen Spracheformen, die eine Mischung aus Muttersprache und Deutsch ist, mit ihrem spezifischen Akzent oft hören.

Aber es ist nicht nur die Sprache, die die Ausländer mitgebracht haben. Auch spezifische Kultur, Musik und traditionelle Gerichte, die wichtiger Bestandteil des Lebens aller Menschen sind, findet man hier zahlreich. Die Menschen versuchen so, sich zu integrieren, aber auch, ihre Wurzeln zu bewahren. An jedem Eck befinden sich türkische und indische Supermärkte, Kebap und Baklavastände, Handygeschäfte aber auch balkanische Clubs und Cafés. Während verschiedener Feiertage werden auf den Straßen dieses Viertels sowohl türkische als auch indische Festivals organisiert. Weite Zelte, gesperrte Straßen, orientalische Musik, manchmal sogar Trachten und unverzichtbare hausgemachte Speisen. An solchen Tagen sieht der 15.Bezirk mehr wie eine Stadt in der Stadt aus. 

Sportereignisse hier sind jedes Mal ein Spektakel, die besonders emotional von hier aus verfolgt werden und nach dem Sieg noch mehr gefeiert werden. Dafür berüchtigt sind sicher die Menschen aus Ex-Jugoslawien. Egal ob Serben, Kroaten oder Bosniaken spielen, ob es um Fußball, Basketball oder Wasserball, Weltmeisterschaften oder Europameisterschaften geht. Es ist kaum zu übersehen, dass besonders diese 3 Nationen in den Cafés in der Märzstraße verweilen und mitfiebern, und nach Abpfiff auf der Straße trällernd und hupend durch die Gassen ziehen. Die Menschen sind von Kopf bis Fuß in den Farben ihrer Landesflaggen gehüllt, auch Autos werden dekoriert, und im Grätzel erhallen Hymnen und Volksliedern. Meistens feuern sich die Anhänger der Ex-Yu Nationen gegenseitig an, immerhin war mal man eine große balkanische Republik. Es wird jedoch ungemütlich und harmonisch, wenn die Abkömmling Staaten gegeneinander in den Wettbewerb treten. Das Wort Wettkampf bekommt dann eine neue Bedeutung. Die unterlegene Mannschaft ist beleidigt, die Fans sind aufgeregt, und fangen vielleicht Randale an, wenn die Niederlage besonders schmerzhaft war. Aus diesem Grund sind für Polizeibeamte die ersten Assoziationen mit dem 15.Bezirk häufig die Einsätze, die genau mit solchen Ereignissen verbunden sind.

Was jüngeren Leute, sowohl die mit migrantischen Wurzeln als auch die gebürtigen Österreicherinnen, mit diesem Bezirk verbindet, ist der berühmte österreichische Rapper Raf Camora. Raf, der aus einem gemischten Elternhaus stammt (Vater – Schweizer, Mutter – Italienerin) wuchs auf den Straßen dieses Bezirks auf, mit vielen Freunden verschiedener Religionen, Nationen und Hautfarben. Obwohl er derzeit in Berlin lebt und arbeitet, spricht er in seinen Liedern sehr oft mit Emotionen und Stolz über Wien, Rudolfsheim-Fünfhaus und über die Menschen aus dieser Stadt. So beschreibt er in einem seiner Hits ausführlich den Lebensstil in diesem Distrikt, aber auch das Mädchen, das sein Herz gewonnen hat. So genannte Balkan-Chica aus Fünfhaus, egal ob „in Highheels oder Sneakers, sie spielt in ’ner andere Liga“, wie es in dem Lied heißt. Raf Camora ist sicherlich ein Aushängeschild für den 15. Bezirk und für alle, die seine Musik hören und lieben.

Aber was versteckt sich noch im Fünfhaus zwischen Kebap-Ständen, Friseursalon, schnellen Autos, schallende Musik und Balkan-Clubs? Welche Kennzeichen sind spezifisch für den 15. Bezirk?

Auf der Schmelz

Als größte Grünfläche in dieser Region, ist die Schmelz einer der beliebtesten Orte, beheimatet die Sport Universität und läd Kinder und Erwachsene zum Verweilen und Bewegen ein. Besonders wenn Fliedersträuche, Kirschen- und Magnolienbäume sich von ihrer schönsten Seite zeigen und betörenden Duft verbreiten. 

Auch das größte Veranstaltungszentrum Österreichs, die Wiener Stadthalle, kommt einem sicher in den Sinn, wenn man an Symbole des 15. Bezirks denkt. Neben den großen Weltstars, wie Kings of Leon, Justin Bieber und anderen, die hier ihre Stücke zum Besten geben, ist diese Halle auch bekannt außerhalb der Stadtgrenzen, zum Beispiel wegen der Abhaltung des Eurovision Song Contests.

Verkehrstechnisch ist der Westbahnhof als zweitgrößter Bahnhof Wiens auch ein wichtiger Punkt auf der Liste. Diese Station ist oft verschrien als Umschlagplatz für Trunkenbolde und Menschen mit einem Hang zum Drogenkonsum. Außerdem wird niemand die chaotischen Fernsehbilder von 2015 vergessen, als hier Zigtausende Asylsuchende angekommen und auch zum Großteil weiter nach Deutschland aufgebrochen sind. Es muss jedoch gesagt werden, dass die negativen Geschichten und der Klatsch über den Westbahnhof immer weniger hergeben, und dass das Sicherheitsgefühl besser geworden ist. Der 15.Bezirk vernetzt sich an diesem Ort jedenfalls mit dem Rest der Stadt und ist dadurch auch ein Dreh- und Angelpunkt.

Westbahnhof

Was verbinden Sie mit dem 15.Bezirk? Was ist für Sie die erste Assoziation zu diesem Teil von Wien?

Die böse Brigitte(nau)

von Šemsa Salioski

Der saftige Döner mit ganz „viel Scharf“ geht im 20. Bezirk schon um elf Uhr vormittags über die Theke. Auch wenn man mitten in der österreichischen Hauptstadt steht bekommt man auf den Straßen das Gefühl, dass es sich vielleicht eher um Belgrad oder Istanbul handelt, da man die Passanten ausschließlich Türkisch oder Serbisch sprechen hört. Draußen kommt es zu einer lauten Schlägerei. Eine Fensterscheibe wird eingeschlagen. Das Ganze wurde mit Sicherheit von den ganzen „Tschuschenkindern“ aus der Nachbarschaft angezettelt. Der Drogenhandel bei den berüchtigten U6-Stationen boomt bei dem miesen Wetter da draußen bestimmt auch schon wieder…

Mutli-Kulti auf der Jägerstraße
Mutli-Kulti auf der Jägerstraße

War das jetzt übertrieben? Ja schon. Die Wiener Brigittenau hat sich noch nie einen Namen als Glamour-Bezirk machen können. Muss man hier abends aber tatsächlich Angst davor haben von einem Kleinkriminellen mit löchrigem McDonalds-Sackerl über dem Kopf ausgeraubt zu werden? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Was ist nun dran an diesen bösen „Ghetto“-Klischees und was bietet der 20. Bezirk sonst außer die zahlreichen Horrorgeschichten der Boulevardblätter?

Drogenviertel und Massenschlägereien

Neben dem ebenfalls berüchtigten „Rudolfscrime“-Fünfhaus zählt die Brigittenau zu den ärmsten Bezirken Wiens und liegt auf Platz 3 der Arbeitslosenrate. Eine ebenso hohe Kriminalitätsrate würde daher niemanden überraschen. Die Gegend um die Millennium City am Handelskai zählt passend dazu seit Jahren zu den bekanntesten Ecken des Wiener Drogenhandels. Auch zahlreiche Negativ-Schlagzeilen über brutale Massenschlägereien von Jugendlichen werfen zunehmend ein schlechtes Bild auf die „böse Brigitte(nau)“. Von vielen Wienern wird die Gegend als „gefährlich“ eingestuft. Beschäftigt man sich allerdings mit den Kriminalitätsstatistiken der vergangenen Jahre wird man erkennen, dass der 20. sich tatsächlich nur im Mittelfeld bewegt. Weit über dem Durchschnitt sind Favoriten, die Innere Stadt und Leopoldstadt. Wien ist eben eine Großstadt in der schwerwiegende gesellschaftliche Probleme wie Gewalt und Drogenhandel nicht von heute auf morgen ausradiert werden können. Allerdings gibt es in diesem Zusammenhang dennoch erfreuliche Nachrichten: Die Kriminalitätsrate der Stadt ist gesunken, genauer gesagt befindet sie sich auf dem niedrigsten Wert der letzten Jahrzehnte. Zurückgegangen sollen vor allem Massendelikte wie Einbrüche in Wohnungen, Autodiebstähle, aber auch Gewaltdelikte sein.

Brigitte(nau), die Kosmopolitin

Die weit verbreitete Annahme des hohen Migrantenanteils im Bezirk kann auf jeden Fall zahlentechnisch belegt werden. Ganze 50,1% Personen mit Migrationshintergrund leben in diesem Stadtteil Wiens. Der 20. verfügt nach Rudolfsheim-Fünfhaus über den zweithöchsten Migrantenanteil. Dazu zählen zum größten Teil Staatsbürger aus Serbien und Montenegro, sowie aus der Türkei, Bosnien und Kroatien. Sprachenvielfalt ist im 20. Bezirk, aber auch in anderen Bezirken, somit sicher keine Seltenheit. Laut einer Studie der Statistik Austria liegt die Anzahl der Wiener Bevölkerung mit Migrationshintergrund bei 43,9%. Die Zahl der Migranten schießt in Wien grundsätzlich immer weiter nach oben. Seit 2008 soll sie um mehr als 13 Prozent gewachsen sein. Die internationale Zuwanderung wird laut aktuellen Prognosen dazu führen, dass ab circa 2029 mehr als 2 Millionen Menschen in Wien leben werden.

Kultur, und wo?

Ausruhen am Wallensteinplatz
Ausruhen am Wallensteinplatz

Ja, im 20. Bezirk gibt es tatsächlich auch Highlights für Kulturbegeisterte. Beispielsweise bietet das Vindobona seinen Besuchern eine sich perfekt ergänzende Mischung aus Kabarett und Café. Bei freier Platzwahl kann man dort nach dem Mittagsmenü den Alltagsstress vergessen und lieber die Lachmuskeln trainieren. Die Gedenkstätte in der Karajangasse kann ebenfalls als klares Must-See eingestuft werden. Das Gebäude wurde 1938 in ein Gestapogefängnis umfunktioniert. Die Häftlinge waren hier bis zu ihrem Transport nach Dachau in Klassenräumen eingesperrt. Seit 1999 zeigt die Ausstellung die Ergebnisse von Projekten, bei denen die Biografien von über 350 vertriebenen jüdischen Schülern des Gymnasiums erforscht wurden. Auch das Bezirksmuseum bietet in seinen Räumlichkeiten wissenswerte Fakten über Wien und seine Vergangenheit an. Im Fokus liegt hier in erster Linie die historische Entwicklung des 20. Bezirks. Gezeigt wird die Brigittenau vor allem als Standort für Handel, Gewerbe und Industrie.

Essenskültür & young Entertainment

Der Millennium Tower aus der Nähe
Der Millennium Tower aus der Nähe

Zur „Essenskültür“ des 20. gehört, dank der zahlreichen Einwanderer aus dem Orient. die deftige türkische Küche. Damit sind jedoch nicht nur irgendwelche Dönerstände gemeint. Die beiden schick eingerichteten Restaurants „Saphire“ und „Kent“ auf der Jägerstraße bieten neben leckeren Grillspezialitäten auch türkischen Tee, Kaffee, sowie klassisch orientalische Nachspeisen an. Wem das nicht international genug ist, sollte einen Abstecher (uh, böses Wortspiel) in die Millennium City wagen. Ob Indisch, Mongolisch, Japanisch, Italienisch oder Mexikanisch, hier ist auf jeden Fall für jeden Geschmack etwas dabei. In der Karaoke Bar „Soho“ kann man dann abends günstige Cocktails genießen und die anderen Gäste mit Gesangseinlagen begeistern. Neben den Lokalen gibt es in der Millennium City auch das zweistöckige UCI-Kino, das die neusten US-Blockbuster, aber auch weniger bekannte Filme aus Europa zeigt. Wer mehr Bewegung braucht kann mit dem Aufzug Richtung Süden in die Spielehalle fahren und sich im „Ocean Park“ mit seinen Freunden beim Bowlen amüsieren.

Die Wallensteinstraße mal ganz ruhig
Die Wallensteinstraße mal ganz ruhig

Klingt jetzt alles doch nicht mehr so böse, oder? Die Brigitte(nau) hat mehr zu bieten als die Boulevardblätter vielleicht verraten möchten. Traut euch rein und überzeugt euch selbst davon.

1220 Wien

1220 – Wien:
ich gehe hier ein paar Infos ein, die man aufs blicken kann.
• ist 102,34 km² der größte Wiener Gemendebezirk
• letzte Form erst seit 1954
• zeichnet sich die fast ein Viertel des Wiener Gemeindegebiets ausmachende Donaustadt
• nimmt dabei 24,6 % der fläche Wiens ein.


Die „Sehenwürdigkeiten“ im 22. Bezirk:
• in Richtung Donaustadtbrücke: Man kann sowohl frei zugänglichen BadeplatzerIn,
Freibädern und Stegen aufs Wasser, als auch die perfekte Möglichkeit für Kurzurlaub in der eigenen Stadt finden.
• Donauinsel: Es ist ein wunderbares Bereich für die Menschen zu laufen, spazieren, sowie
Rad zu fahren. Es gibt dort perfekte Alternative, um mit der Lieblingsmenschen bzw. durch
öffentlich zugängliche Grillplätze zu genießen.
• Lobau: Bei jedem Besuch ist Spass garantiert mit der wunderbaren Natur, den wissenwerten Fakten auf euch warten. Durch unterschiedliche Touren kann man Stress schnell vergessen, wobei man besonders schwimmt.


Klischees über den 22. Bezirk:
Die Klischees sind, dass das Fortgehen war speziell war. Es gibt noch keine Nacht-U-Bahn,
oder Taxis waren teuer, um fortzugehen, wo man auf der Donauinsel in mehreren kleinen
Tanzlokale bzw. Vienna City Beach Club tanzen kann.

Favoriten – Die etwas andere Integration

Favoriten ist der zehnte Gemeindebezirk Wiens und liegt südlich der inneren Bezirke. Über keinen Wiener Bezirk gibt es mehr Klischees als über den Gemeindebezirk Favoriten. Der Multi-Kult Bezirk über den man selten Lob hört – ganz im Gegenteil, ist ein Ort an dem Verständigung auch ohne deutsche Grammatik und vollständige Sätze stattfindet.

Das reichliche Angebot an Dönerbuden ruft Neologismen ins Leben. Jeder Favoritner kann sich unter „mit alles ohne Scharf“ eindeutig etwas vorstellen. Auch Ausdrücke wie „Beste wo gibt“, und „Ehrenfrau/Ehrenmann“ hört man nicht selten von Jugendlichen, die im McDonalds sitzen, sich eine Cola kaufen und mehrere Stunden mit ihren Freunden und Freundinnen dort verbringen.

Mcdonald’s Favoritenstraße

Auch wenn man der deutschen Sprache nicht mächtig ist kommt man in Favoriten gut zurecht. Seinen Ruf laut, überfüllt und schmutzig zu sein, hat der Bezirk vor allem der Favoritenstraße und dem Viktor Adler-Platz zu verdanken. Auch einige Österreicher und Österreicherinnen ohne Migrationshintergrund passen sich in Favoriten gerne einmal an und lassen oftmals beim Reden Artikel weg. Besonders in der Gegend rund um den Viktor-Adler-Markt ist das spürbar. Ohne die zahlreichen Geschäfte, die dort von Migranten und Migrantinnen betrieben werden, wäre Favoriten nicht das was es ist. Von Fleischhauer und Supermärkte bis zu Bäckereien und Kleidungsgeschäfte oder Frisöre, rund um den Quellenplatz und Reumannplatz findet man fast alles. Eines fühlt man sich in diesem Teil der Stadt kaum und das ist einsam, denn die Favoritenstraße ist fast rund um die Uhr lebendig.

Quellenstraße

Die meisten BMW-FahrerInnen, auf die man im Gemeindebezirk Favoriten trifft, sind zwar ÖsterreicherInnen mit türkischem Migrationshintergrund, doch zwischen den U-Bahn Stationen Reumannplatz und Oberlaa liegen Welten, denn zumal Türken und Türkinnen sich in „Klein-Istanbul“ aufhalten, residieren viele FPÖ-Wähler und Wählerinnen etwas weiter an der Grenze des zehnten Bezirks. Unterschiedlicher und vielfältiger könnte der bevölkerungsreichste Bezirk Wiens nicht sein. Favoriten ist auch insofern ein Bezirk der Gegensätze, da während Einige auf der einen Straßenseite Bier trinken, Andere auf der gegenüberliegenden Straße Ayran schlürfen. Der zehnte Bezirk ist ein Paradebeispiel für eine (meist) friedliche Koexistenz zwischen MigrantInnen und Nicht-MigrantInnen. 

Spar Kühlregal

Laut ist 1100 vermutlich deshalb, weil ein Mix an unterschiedlichen Sprachen gesprochen wird, wie sonst an keinem Ort in Wien: Türkisch, Arabisch, Serbisch, Tschetschenisch und selten, aber doch auch Deutsch 😉 Vor allem Jüngere, die in Österreich die Schule besucht haben mischen gerne Sätze, die mit einer Sprache anfangen und mit einer anderen enden. Das hat nichts damit zu tun, dass die Favoritner mit ihrer Bilingualität prahlen wollen, sondern sind einige Wörter in anderen Sprachen einfach ausdrucksvoller. Auch österreichische Jugendliche ohne Migrationshintergrund lernen von ihren Schulfreunden- und freundinnen Ausdrücke in anderen Sprachen, weil „wallah“ derer Meinung nach aussagekräftiger klingt als „ich schwöre“. 

Der multikulturelle 10. Wiener Bezirk Favoriten ist einer der vielseitigsten Gebiete der Stadt und dieser Mix macht Wien zu der besonderen Stadt, die sie ist!



Bezirksklischee 1090

Der 9. Bezirk in Wien heißt Alsergrund und ist seit 32 Jahren meine „Heimat“.

Ursprünglich komme ich aus Niederösterreich. Als ich Anfang der 1980er Jahre nach Wien übersiedelt bin, hatte ich wenig Ahnung, welche Bezirke welches Image haben. Damals habe ich eine Wohnung im 16. Bezirk gefunden, in Ottakring. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt und es lustig gefunden, dass ich oft die „jugoslawische“ Sprache in der Straßenbahn oder auf der Straße gehört habe. Ich hatte nämlich gute Kenntnisse in Russisch, hatte kurz zuvor in Russisch maturiert und fand eine große Ähnlichkeit mit „Jugoslawisch“.

Danach bin ich in den 13. Bezirk gezogen, anschließend war ich im 8. Bezirk und nun wohne ich also seit 1986 im 9. Bezirk.

Klischees über 1090:

Klischees, die ich seinerzeit kannte waren: ein Spitalsbezirk, wegen dem Allgemeinen Krankenhaus und ein Bezirk, in dem Medizinstudierende wohnen bzw. anzutreffen sind. Einige Medizinischen Uni-Institute waren schon damals auf der Währinger Straße.

Außerdem kannte ich die Strudelhofstiege, das architektonische Meisterwerk, dem bekanntlich ein berühmter Roman von Heimito von Doderer gewidmet ist. Architektonisch berühmt ist auch die heutige U-Bahnlinie U6, die entlang der nördlichen Bezirksgrenze entlang des Gürtels verläuft. Sie ist Teil der alten Stadtbahn, wie sie von Otto Wagner geplant war. In dieses Projekt waren zeitweise bis zu siebzig Mitarbeiter beschäftigt und es entstanden nach sechs Jahren Bauzeit neben Viadukten, Brücken und Galerien auch (auf der heutigen U6) sechs Stationen, die in einem Übergangsstil zwischen Späthistorismus und Jugendstil gehalten sind.

Last but not least, gab und gibt es auch eine kulturelle Konnotation mit dem Bezirk, durch die Volksoper. Das Haus war ursprünglich ein Sprechtheater, Es wurde zum 50-jährigen Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph I. als „Kaiserjubiläum-Stadttheater in nur 10 Monaten errichtet und am 14. Dezember 1898 eröffnet. Der Beginn dieses Theaters war von Niederschlägen gekennzeichnet. Zum einen ist der Kaiser der Eröffnung fern geblieben und zum anderen folgte nach knapp fünf Spieljahren der erste Konkurs. Seit 1908 heißt dieses Haus Volksoper und bringt neben Opern und Operetten auch Ballett und Musicalaufführungen.