Favoriten – Die etwas andere Integration

Favoriten ist der zehnte Gemeindebezirk Wiens und liegt südlich der inneren Bezirke. Über keinen Wiener Bezirk gibt es mehr Klischees als über den Gemeindebezirk Favoriten. Der Multi-Kult Bezirk über den man selten Lob hört – ganz im Gegenteil, ist ein Ort an dem Verständigung auch ohne deutsche Grammatik und vollständige Sätze stattfindet.

Das reichliche Angebot an Dönerbuden ruft Neologismen ins Leben. Jeder Favoritner kann sich unter „mit alles ohne Scharf“ eindeutig etwas vorstellen. Auch Ausdrücke wie „Beste wo gibt“, und „Ehrenfrau/Ehrenmann“ hört man nicht selten von Jugendlichen, die im McDonalds sitzen, sich eine Cola kaufen und mehrere Stunden mit ihren Freunden und Freundinnen dort verbringen.

Mcdonald’s Favoritenstraße

Auch wenn man der deutschen Sprache nicht mächtig ist kommt man in Favoriten gut zurecht. Seinen Ruf laut, überfüllt und schmutzig zu sein, hat der Bezirk vor allem der Favoritenstraße und dem Viktor Adler-Platz zu verdanken. Auch einige Österreicher und Österreicherinnen ohne Migrationshintergrund passen sich in Favoriten gerne einmal an und lassen oftmals beim Reden Artikel weg. Besonders in der Gegend rund um den Viktor-Adler-Markt ist das spürbar. Ohne die zahlreichen Geschäfte, die dort von Migranten und Migrantinnen betrieben werden, wäre Favoriten nicht das was es ist. Von Fleischhauer und Supermärkte bis zu Bäckereien und Kleidungsgeschäfte oder Frisöre, rund um den Quellenplatz und Reumannplatz findet man fast alles. Eines fühlt man sich in diesem Teil der Stadt kaum und das ist einsam, denn die Favoritenstraße ist fast rund um die Uhr lebendig.

Quellenstraße

Die meisten BMW-FahrerInnen, auf die man im Gemeindebezirk Favoriten trifft, sind zwar ÖsterreicherInnen mit türkischem Migrationshintergrund, doch zwischen den U-Bahn Stationen Reumannplatz und Oberlaa liegen Welten, denn zumal Türken und Türkinnen sich in „Klein-Istanbul“ aufhalten, residieren viele FPÖ-Wähler und Wählerinnen etwas weiter an der Grenze des zehnten Bezirks. Unterschiedlicher und vielfältiger könnte der bevölkerungsreichste Bezirk Wiens nicht sein. Favoriten ist auch insofern ein Bezirk der Gegensätze, da während Einige auf der einen Straßenseite Bier trinken, Andere auf der gegenüberliegenden Straße Ayran schlürfen. Der zehnte Bezirk ist ein Paradebeispiel für eine (meist) friedliche Koexistenz zwischen MigrantInnen und Nicht-MigrantInnen. 

Spar Kühlregal

Laut ist 1100 vermutlich deshalb, weil ein Mix an unterschiedlichen Sprachen gesprochen wird, wie sonst an keinem Ort in Wien: Türkisch, Arabisch, Serbisch, Tschetschenisch und selten, aber doch auch Deutsch 😉 Vor allem Jüngere, die in Österreich die Schule besucht haben mischen gerne Sätze, die mit einer Sprache anfangen und mit einer anderen enden. Das hat nichts damit zu tun, dass die Favoritner mit ihrer Bilingualität prahlen wollen, sondern sind einige Wörter in anderen Sprachen einfach ausdrucksvoller. Auch österreichische Jugendliche ohne Migrationshintergrund lernen von ihren Schulfreunden- und freundinnen Ausdrücke in anderen Sprachen, weil „wallah“ derer Meinung nach aussagekräftiger klingt als „ich schwöre“. 

Der multikulturelle 10. Wiener Bezirk Favoriten ist einer der vielseitigsten Gebiete der Stadt und dieser Mix macht Wien zu der besonderen Stadt, die sie ist!



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